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Duisburger Sozialforum IV

Markt total
Globalisierung und soziale Gerechtigkeit?

19. November 2005
im Gemeindehaus der Ev. Gemeinde Neudorf-West

Abschluss

Das 4. Duisburger Sozialforum stellte an diesem Samstag fest, dass ein 
totaler Markt im Zuge der Globalisierung und soziale Gerechtigkeit 
gleichzeitig unmöglich sind. Im Sozialforum treffen sich ein Mal jährlich 
kirchliche, gewerkschaftliche und soziale Gruppen, um ihre Arbeit 
vorzustellen und zu vernetzen; es werden Alternativen zum neoliberalen 
Mainstream aufgezeigt.

Jügen Klute, Herner Sozialpfarrer zeigte in seiner Rede auf, dass 
menschliche Arbeitskraft zur Ware wird, er warnte davor, dass die soziale 
Ungleichheit steigt und das neoliberale Mesnchenbild zur Spaltung der 
Gesellschaft führt. Klute lobte die weltweite Bewegung der Sozialforen, die 
Demokratie wieder stark macht und mit der sich die Bürger ihren politischen 
Raum zurück erobern.

Von dem Sozialforum geht das Signal aus, dass die Privatisierung 
öffentlicher Aufgaben, insbesondere der Wasserversorgung, zu einer 
deutlichen Verschlechterung der Versorgung führt und auch zu einer 
Verteuerung. Öffentliche Darsteinsvorsorge darf kein Spielball privater 
Interessen sein. Hier werden in Duisburg, insbesondere gegen den Ausverkauf 
der Kliniken, Aktionen erfolgen. Öffentlich-Private-Partnerschaften sind 
kategorisch abzulehnen.

Man stellte fest, dass es zu einer Einnahmeverbesserung der öffentlichen 
Hand kommen muss. Gleichzeitig wird das Militär als selbstverständlich 
genommen. Keiner fragt nach Alternativen ,obwohl mit dem Auslandseinsätzen 
der Verfassungsauftrag für die Bundeswehr ­ der Landesverteidigung ­ 
gebrochen wird. Auch hier bleibt nur Protest, Widerstand und Aufklärung.

Das Duisburger Sozialforum erklärt, dass Frauen kein Humankapital sind und 
das neue Bordell, am dem die Stadt durch den Grundstücksverkauf indirekt 
mitverdient, darf nicht gebaut werden. Die Frauen müssen rechtlich deutlich 
besser geschützt werden.

Auf dem Forum forderte der Verein Erwerbslose helfen Erwerbshosen und die 
Bürgerinitiative Machmit, Mindestlohn und ein bedingungsloses 
Grundeinkommen. Die Selbsthilfegruppe gegen Hartz IV erklärte, dass der 
Niedriglohnsektor nicht ausgeweitet werden darf. Unsere Gesellschaft ist 
kälter und härter geworden, was bei dem Discouter Lidl an Standards 
unterschritten wird, könnte bald ein neues Niveau der Arbeitswelt sein. Die 
Wohnungssitiuation vieler ALG II Empfänger wird sich verschlechtern. Das 
Duisburger Sozialforum ist solidarisch mit den Forderungen des Vereins E.h.E.

Flüchtinge sind Menschen unter uns ­ sie stehen auch im Mittlepunkt. Kein 
Mensch ist illegal. Abschiedung ist nicht der sinnvolle Weg ­ Integration 
schon. So ist auch sinnvoll, gegen den staatlichen Rassismus vorzugehen..

Das Duisburger Sozialforum fordert ein Bleiberecht für die Familie Erkil, 
exemplarisch für alle, die von Abschiebung betroffen sind. Die 
unterschiedlich benachteilgten Gruppen sollen solidarisch zusammen stehen 
und sich nicht gegenseitig auspsielen lassen

Das Duisburger Sozialforum fordert alle auf, Nazis in Duisburg zu verhindern. 

Programm

Das Leitmotiv des diesjährigen Duisburger Sozialforums ist die Frage, ob der Mensch der Wirtschaft, Stichwort „Humankapital“, oder die Wirtschaft dem Menschen dienen soll. Sind Armutslöhne oder das Hartz IV-Lebensniveau mit der Menschenwürde vereinbar? Immer mehr Lebensbereiche sind privatwirtschaftlich durchdrungen, werden nach Marktgesichtspunkten gestaltet: MARKT TOTAL eben. Im Zuge der sogenannten Wettbewerbsoptimierung werden viele Menschen an den gesellschaftlichen Rand gedrängt.

Während die Globalisierungsgewinner unisono behaupten, dazu gäbe es keine Alternative, soll das Duisburger Sozialforum ein Raum dafür sein, diese eindimensionale und fatale Weltsicht zu überwinden und nach dem Motto „Die Welt ist keine Ware!“ nach einer gerechten, solidarischen und ökologischen Politik – auch hier in Duisburg – zu suchen.

11.00 h Begrüßung
Humankapital
Menschliche Arbeitskraft als Handelsware

Gemäß neoliberaler Wirtschaftslogik sollen sich die Menschen zur Wettbewerbssteigerung immer mehr den Erfordernissen des Marktes anpassen. Bleiben Ethik und Menschenwürde dabei – notwendigerweise – auf der Strecke?

Referat: Jürgen Klute
Sozialpfarrer des Kirchenkreises Herne

Moderation: Silke Zimmer
ver.di Landesbezirk NRW

12.45 h Mittagspause (es werden nur Getränke angeboten)
13.15 h Arbeitsgruppen

1  ARBEITSWELT
Das Prinzip LIDL: billig durch Ausbeutung

Am Beispiel von LIDL werden stellvertretend die Arbeitsbedingungen bei Discountern hinterfragt. ver.di hat deshalb eine Kampagne für Menschenwürde im Job und die Wahl von Betriebsräten gestartet.
Beitrag: ver.di, FB Einzelhandel

2   ÖFFENTLICHE DASEINSVORSORGE
Wasser: Ausverkauf eines Lebenselixiers

Ist Wasser ein frei zugängliches Lebensmittel, oder ein Mittel zum Geldverdienen? Anhand des Film "Wasser unterm Hammer" werden die Gefahren der Privatisierung öffentlicher Aufgaben und die diesbezüglichen Ideen der duisburger Politik abgeklopft.
Beitrag: attac Duisburg

3  FRIEDEN
Wohin Deutschland: Verteidigung am Hindukusch oder sozialer Frieden im Inneren?

Für viele Milliarden Euro werden in der Bundesrepublik Deutschland Rüstungsgüter produziert und Soldaten ins Ausland geschickt. Bund, Länder und Gemeinden sind hoch verschuldet und erfüllen ihre Aufgaben nicht. Gibt es wirklich keine Alternative zum praktizierten Kurs?
Beitrag: Pax Christi

4   MIGRATION  
Neues Zuwanderungsgesetz: Generalangriff auf Flüchtlinge

Die Situation für Flüchtlinge und MigrantInnen in Deutschland verschlechtert sich zunehmend: Das Leben in Sammellagern, Residenzpflicht, die Beschneidung sozialer und politischer Rechte und die Angst vor Abschiebung prägen ihren Alltag in Deutschland und Europa. Welche Wege gemeinsamen Widerstands gibt es?
Beiträge:  Karawane der Flüchtlinge und MigrantInnen /                Initiativkreis „Bleiberecht für Familie Erkil“

5  FRAUEN
Humankapital: die Ware Frau

Vom entfesselten Kapitalismus besonders betroffen sind Frauen, die – oft durch Gewalt – zu Ausputzerdiensten gezwungen, oder unmittelbar zur Handelsware für den Sex-Markt degradiert werden.
Beiträge: SOLWODI Duisburg / Amnesty International Duisburg

6   UMWELT  
Umweltsauerei? Genehmigt!

Umweltschutzauflagen finden ihre Begrenzung bei der vorgeblichen Gefährdung von Gewinnen und Arbeitsplätzen. Am Beispiel der Genehmigungsverfahren verschiedener Großprojekte soll die konkrete industrie-freundliche Genehmigungspraxis in Duisburg veranschaulicht werden.
Beitrag: Bürgerinitiative Umweltgifte

7  EWERBSLOSE I
Erwerbslose als Druckmittel gegen Sozialstandards

Durch Druck auf Erwerbslose und Leistungskürzungen soll einer gerade auch in den Arbeitsverhältnissen deregulierten Wirtschaft der Weg geebnet werden. Lassen sich durch einen Mindestlohn und einen öffentlichen Beschäftigungssektor Lohn- und Sozialdumping aufhalten?
Beitrag: Mach mit! Bündnis gegen Sozialkahlschlag und Bildungsklau

8   ERWERBSLOSE II
Wohnen in Duisburg – Ein Dilemma für Alg II-BezieherInnen

Beitrag: EhE Erwerbslose helfen Erwerbslosen

15.15 h Kaffeepause
15.30 h Plenum

Vorstellen der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen, Diskussion und Absprachen

TAGUNGSORT / ANREISE
Ev. Gemeindezentrum
Gustav-Adolf-Straße 63-65 / Neudorf-West
ÖPNV ab Hbf: Bus 933 bis Haltestelle „Bismarckstr.“
oder 924, 934 bis Haltestelle „Neudorfer Markt“

PKW: A 59 bis Abfahrt DU-Zentrum und dann Koloniestraße, Grabenstraße

VORBEREITUNGSKREIS
Hermann Dierkes, Betriebsrat Eisenbahn & Häfen GmbH / Karin Gerlich, ver.di Landesbezirk NRW / Joachim Glund, Europäische Märsche gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung und Ausgrenzung / Inge Holzinger, Friedensforum Duisburg / Hans-Peter Lauer, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt / Jens Richter, attac Duisburg / Martin Schaper, Infostelle „Dritte Welt“ / Hans-Gotthelf Wendt, attac Duisburg / Angela Wermke, Infostelle „Dritte Welt“